Spirit of Change Teil 2

Spirit- of- Change- Erlebnisberichte und mehr

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Chor und AHA- Regeln

Spirit- of- Change: AHA

 

Vor ein paar Monaten mahnte unser Chorleiter Michael Hesseler noch: „Abphrasierung“, gab uns ein „Hohes C“ vor und dirigierte: „Altstimme 1 fängt an“.

Jetzt klingen die AHA- Regeln anders und gelten, damit die Altstimmen beim hohen C überhaupt erst abphrasieren dürfen.  

Abstand, Hygiene und Alltagsmaske.

Ein engagiertes Hygienekonzept ermöglicht es dem Chor Spirit-of- Change trotz der strengen Corona- Regeln für Chöre zu proben. Zum Glück steht das Dechant- Scheben- Haus noch und uns zur Verfügung.

Die probenfreie Zeit war hart. Zwar wurde sie mit Videoschaltungen überbrückt, aber das gemeinsame Singen kann eben durch nichts ersetzt werden.

Damit die Regeln eingehalten werden können, zum Beispiel die großen Abstandsregeln zur Seite und nach vorne, können gleichzeitig immer nur 20 Sänger und Sängerinnen gemeinsam proben. Deshalb bietet unser Chorleiter bis zu drei Proben die Woche an. Zum Wochenbeginn erhalten wir Sängerinnen und Sänger den Probenplan.

Meine erste Probe dieser Art fand an einem Mittwoch statt. Michael und Roswitha Hesseler hatten mit dem Zollstock und Klebeband gearbeitet. Das konnte man sehen. Ich wurde zu den Desinfektionsflaschen dirigiert, wo ich meine Hände desinfizieren musste und suchte mir einen Platz in meiner Stimmlage. Erst dort zog ich meine Maske aus, wie vereinbart.

Aber es hielt mich nur äußerste Disziplin auf meinem Stuhl, als nun nach und nach die anderen Sängerinnen und Sänger eintrudelten.  Wir hatten uns so lange nicht gesehen und es gab doch so viel zu bequatschen. Aber so winkten sich alle herzlich zu und warfen Kusshändchen in die Runde. Man merkte, dass sich alle mal gerne feste gedrückt hätten, stattdessen umschlingt man sich eben selber und stellt sich vor, es wäre das Gegenüber an der anderen Wand des großen Saales.

Nach dem Einsingen merkte ich, dass meine „Singmuskulatur“ mal wieder richtig in Schwung gebracht werden musste. Ich hatte sie zu lange aus Vorsicht ruhen lassen. Das konnte ja heiser werden.

Klappte dann aber doch ganz gut. Ich traf noch nicht jeden Ton und nicht jeder Text saß noch so sicher wie vor ein paar Monaten, aber die Sangesfreude schwappte schnell über und ließ mich milde über meine sanglichen Qualitäten urteilen.

So war das eben in Corona - Zeiten. Nicht nur die Muskulatur in meinem Hals hatte sich eine ziemlich faule Zeit gemacht. Ich trug heute meine Hose mit dem verstellbaren Bund und eine weite Bluse und lutschte eben nach der Probe schnell ein Halsbonbon.

Jetzt, nach ein paar von diesen Übungsstunden, die jeweils nur eine Stunde dauern dürfen, fühlte sich das geschmeidige Gefühl im Hals schon griffiger an. Und für den Text haben wir ja die Notenblätter. Bald werden wir wieder auf sie verzichten können und frei aus dem Kopf hundert Lieder singen.

Die anderen Chormitglieder zu sehen, wieder etwas zu trällern, gemeinsame Pläne schmieden. Wunderbar, dass dies trotz Corona-Zeiten klappt.

Das vom Erzbistum erarbeitete Konzept wird engagiert umgesetzt und scheint aufzugehen. Beinah wöchentlich ändert sich das Konzept in Nuancen und passt sich den neusten Bestimmungen und Erkenntnissen an. Ich fühle mich dadurch sicher und gehe beruhigt und gerne zur Probe.

Die neueste Regelung sieht eine Lüftungspause von einer Viertelstunde nach einer halben Stunde Singen vor. Danke dafür! Jetzt können wir uns dann mit Maske bewaffnet und die Abstandsregeln einhaltend doch ein wenig näherkommen und heraussprudelnd berichten, wie es uns ergangen ist. Bald ist es aber wie immer und wir plaudern über das letzte Buch, das wir gelesen haben, die Reise, die wir für eine Zukunft ohne Plage planen oder ein berufliches Projekt, auf das wir uns schon freuen. Wie alte Freunde eben immer da anknüpfen, wo sie zuletzt aufgehört haben, selbst, wenn sie sich Wochen- oder Monatelang nicht gesehen haben.

Bald steht Weihnachten vor der Tür und das Jahreskonzert, das für uns schon zur Vorweihnachtzeit gehört, wie der Adventskranz und Spekulatius findet dieses Jahr so wie gewohnt nicht statt. Das wird uns fehlen, so wie die gemeinsame Probenzeit im Herbst in Oberwesel. Ich ertappe mich bei Vorfreude auf das Wochenende, das doch schon längst Geschichte ist. Der September ist vorbei gegangen ohne Wanderung durch die Weinberge, intensives Proben und abendliches Feiern. Ein wichtiges gemeinschaftliches Erleben fehlt also in diesem Jahr und muss durch die Freude ersetzt werden, sich einfach nur zum gemeinsamen Singen sehen zu dürfen, was ein paar Monate ja noch nicht möglich war.

Wie es mit neuen Konzepten von Live- Auftritten oder Präsentation über moderne Medien weiter geht, muss jetzt überlegt werden und die Zeit wird zeigen, was möglich ist.

Unsere gesanglichen Videobotschaften waren schon ein toller Impuls und Freude für viele Menschen, die sich Ostern und Pfingsten daran erfrischen durften. Für uns als Chor war es spannend, neues Terrain zu betreten. Innovation und Erfindungsreichtum und die Erkenntnis, was einem wirklich fehlt, wenn man es nicht hat, sind vielleicht die positiven Erkenntnisse, die uns diese besondere Zeit beschert.

Stress und Hektik sind es jedenfalls nicht. Aber die Menschen, die Gemeinschaft und das gemeinsame Erleben ganz bestimmt.

Dies und einen gemütlichen Herbst wünsche ich dem Leser.

Und bleiben Sie gesund.

 

Kerstin Surra

 

Wir machen Musik

Das Chor- Jahr fühlte sich von Anfang an anders an. Es gab Ideen und feste Termine, Pläne und Vorfreude und gleichzeitig raunte es aus China herüber, dass alles ganz anders kommen könnte.

Wir als Chorgemeinschaft probten zunächst noch auf feste Ziele hin, weil es ja nur ein Geraune war. Oft genug war es beim Sturm im Wasserglas geblieben. Doch irgendwann erkannte man es auch in Europa, dass in diesem Jahr nichts so werden würde, wie gehofft.

Das letzte persönliche Chortreffen fand wie immer an einem Donnerstag statt, als die Politik noch nicht sicher war, wie es weiter gehen sollte. Demokratisch entschieden wir uns für eine frühe Isolation, also einen Verzicht auf die wöchentlichen Proben. Die Politik zog nach. 

Normalerweise ist die Probe auch ein herzliches Treffen mit vielen Umarmungen und Lachen. Wo siebzig Sänger den Mund öffnen und Töne und Sorgen frei herauslassen, da wirbeln eben auch die Viren und Bakterien. Wir sehen das normalerweise gelassen. Doch das geht jetzt natürlich nicht mehr.

Der Donnerstagabend war schon ein wenig traurig, weil wir wussten, dass wir uns eine ungewisse Zeit nicht sehen würden.

Freitag war man mit anderen Dingen beschäftigt. Vorräte sichten, Einkauflisten der älteren Verwandten abfragen, brauchen die Nachbarn etwas, Einkäufe erledigen, Abstand halten. Ethische Fragen stellen.  Wo endet umsichtige Haushaltung und fängt das Hamstern an? Wieviel Toilettenpapier braucht ein Mensch?

Samstag nahm man sich vielleicht die Zeit, Freunde per Whatsapp zu kontaktieren, ins Ausland zu skypen, Freunde anzurufen. Montag blieben die Kinder aus der Schule zu Hause. Haus putzen, nur nicht zu viel nachdenken. Den Garten umgraben, wenn man einen hat, anfangen mit Hamstern,….

Dienstag einfach nur das Leben organisieren, Mittwoch nicht den Mut verlieren, Donnerstag…

Donnerstag keine Chorprobe. Von wegen. Natürlich haben sich unser Chorleiter und einige Chormitglieder schon Gedanken gemacht, wie man das regeln kann. Über eine Internetplattform wurde ein Team- Meeting eingeplant, Einladungen verschickt, der Computer eingerichtet, ein Platz gesucht, an dem man ungestört reden kann, ohne die Familie zu irritieren.

Dann kam der Donnertagabend und ich saß erwartungsfroh vor meinem Laptop, versuchte noch schnell, zu verstehen, was ich genau tun muss, damit mich die anderen sehen und hören können und umgekehrt, da bimmelte ein Anruf über Zoom herein und ich musste ihn nur annehmen. Eigentlich ganz einfach.

Schwupp, war ich drin und vor mir sah ich schon die ersten Chormitglieder in kleinen Bildchen, die mir winkten und mich begrüßten. Wie schön!!!

Nach und nach trudelten alle ein und es gab ein frohes Hallo und Lachen!

Singen konnten wir nicht gemeinsam, dafür ist das Medium nicht ausgerichtet, aber der zweitliebsten Tätigkeit während der Chorprobe, das Quatschen (natürlich nur vor und nach der Probe), ähem, konnten wir frönen.

Und das tat sehr gut. Man war ja gar nicht alleine mit seinen Befürchtungen und Sorgen. Ein Netzwek wurde ins Leben gerufen, um sich gegenseitig zu unterstützen, falls nötig. Einige Chormitglieder können leider nicht über die modernen Medien kommunizieren. Die wurden eben persönlich angerufen. Es sollte keiner außen vorgelassen werden.

Die nächste schöne Aktion, die wieder mehr mit singen zu tun hatte, wurde kurz vor Ostern ins Leben gerufen. An Ostern sollten wir eigentlich in einer Ostermesse singen. Schon schade, dass das nicht möglich war, oder doch?

Jedes Chormitglied nahm ein Video von sich auf. Jeder von uns sang: “Why so downcast, oh my Soul“   ein und  schickte das an unseren Studiotechniker. Der bastelte daraus ein wirklich schönes Musikvideo zusammen und stellte es auf YouTube ein.

Wir konnten das Video an Verwandte und Freunde schicken. Das war ein kleiner Trost dafür, dass das diesjährige Osterfest nur im kleinsten Rahmen gefeiert werden konnte.

Zwar liebevoll gestaltete, virtuelle Messen, aber keine leibhaftige, feierliche Ostermesse mit Weihrauch und Gesang, kein Kaffeetrinken mit Oma und Opa, keine Reise zu Verwandten. Da war das Video irgendwie ein Sonnenstrahl.

Die Resonanz war so groß, dass wir am Ende der Karfreitagsmesse in Langel eingespielt wurden, die über soziale Medien verfolgt werden konnte.

Für mich selber war das erste Reinhören ein Gänsehautmoment. Da sind sie ja fast alle und singen zusammen.

In der Krise merkt man, was einem wirklich fehlt und kommt auf viele neue, kreative Ideen, um sich auszudrücken, Gemeinschaft zu leben, zusammen zu halten. Und wenn wir uns dann endlich wiedersehen können, live und in Farbe, dann wird das ein wirklich großer Moment werden. Und ich fürchte, lieber Chorleiter, dann wird mehr gequatscht, als gesungen werden, aber nur ein wenig mehr. Denn dann singen wir bestimmt: “Oh happy Day!“ und meinen es auch so.

 

Kerstin Surra

 

 

 

 

 

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