Ein Lichtlein brennt

 

Schnee auf Tannenspitzen

 

Schnee auf Tannenspitzen?

Gibt es heuer eher nicht zu sehen.

Bleibt uns nur Erinnerung.

Die von unseren Müttern, wie sie auf Mühlbächen einbrechen.

Nicht tief, nur reichlich nass und lachend.

Von Schulwegen, die durch tiefen Schnee in ferne Dörfer führen.

Von Wintern, da die Scheiben froren,

und Schneemänner gute Freunde wurden,

weil sie die Zeit dazu hatten,

bevor sie zum Nordpol weiter mussten.

Heute gibt es sie nur noch auf der Durchreise.

Eine Nacht, mehr nicht.

Oder die als Kind im Schneegestöber, mit den Augen,

so herrlich glitzernd,

wie wir sie uns zu Weihnachten wünschen.

Erinnerungen, an eigene weiße Überraschungen.

Aus der Christmette tretend mit Puderzuckerschnee in die dunkle

Weihnacht entlassen, die bald von Lichterglanz erhellt,

noch den kalten Kuss auf den Wangen, der Stirn, dem Mund,

Wunschzettelerfüllende Schneeflockenküsse.

Erinnerung.

Von kalter Luft, die zu Rauchwolken wird,   

wenn wir unseren warmen Atem in sie auspusten.

Rauch von ausgeblasenen Kerzen, Kirchenglocken, Schlittenspuren,

nasse Handschuhe, kalte Finger, noch ein bisschen, trotzdem,

schon vergessen, rote Fingerspitzen, Zucker der von Tannen rieselt,

Schnee im Kragen, heiliger Schreck.

Heiße Schokolade, kribbelnde Nase,  

Schneeengel, Schneeballschlacht, Schneekristalle auf der Fensterscheibe.

Jedes ein beschwingter Tänzer im anderen Kleid.

Schlittschuh lernte ich auf zugefrorenen Rheinwiesen zu laufen,

Großväter erinnern an zugefrorene Flussläufe,

Rhein unter weißer Winterdecke, bis er bricht.

Hungerwinter gibt es hier und heute nicht.

 

Jetzt gibt es nur nieselige Warmluftwetterfrontweihnacht. 

Aber innen drin, ist weiße Weihnacht.

Und unterm Baum, im Lichterschein, da scheint es mir, als glitzerte,

ganz oben auf den Tannenspitzen

weißer Glanz und Eiskristall.

 

Kerstin Surra

23.12.2017

 

Hinter dem eisigen Land

von Kerstin Surra aus "Auf den Stufen des Mondes"

 

 

Da fiel Ole etwas ein: “Viola, damals, als wir uns wieder trafen und Du uns von Deiner Rettung durch die Bewohner der nördlichen Länder berichtet hast, versprachst du uns, einige der wundersamen Geschichten und Sagen zu erzählen, die Du dort gehört hast.

 

Jetzt wäre doch ein schöner Zeitpunkt. Draußen regnet es so herrlich und hier drinnen ist es gemütlich. Da können wir uns doch vorstellen, wir säßen in einem Zelt aus Seehundfell und wärmten unsere Hände über Lebertran.

 

„Ja, holt alle Kerzen her und stellt sie in die Mitte. Das gibt einen schönen Schimmer über meine Geschichte.“

 

„Nimm noch meinen Pelz, Viola, leg ihn über die Schulter, wie es die Menschen tun, von denen du uns erzählen willst.“

 

„Danke, mein Prinz.

 

Nicht wahr, Ihr wißt, wie der Wind um die Hütten wehen kann. Den Hütten aus Eis und Schnee. Wie er von den nördlichsten Breiten herbei eilt, um Dünen in die weiße Haut des Landes zu zeichnen. Wie er die weichen Flocken vorwärts treibt und sie zu messerscharfen Dolchen macht. Ihr kennt seine Kälte und seine Leidenschaft.

 

Nicht wahr, ihr kennt den Wind des Nordens, dessen Melodie eine einsame ist. Ihr habt sein Lied gehört, wie ich. Ein Lied, das von den Weiten spricht, die wir nicht erreichen können. Die uns doch locken mit den Düften von nie betretenem Eis. Wie es knirschen muß und knacken.

 

Die uns doch rufen, mit den Geheimnissen, die tief verborgen unter Schichten von Schnee und Schnee. Was mögen sie verbergen? Ein Land von sprudelnden Quellen und einsamen Wäldern, oder doch nur nackter Stein und noch größere Traurigkeit? Es ist das Land der Mitte, dort kommt der Wind des Nordens her.

 

Er kommt den weiten Weg und verweht die Spur des einsamen Wanderers. Er kommt den weiten Weg und verweht die Spur der alten Pfade. Er kommt den weiten Weg- und bleibt.

 

Ja, es war der Nordwind, der kam und blieb.

 

Er traf Ewoltle, den Jäger, als er ein Loch in das Eis schlug, um einen Fisch zu fangen. Er fuhr in ihn ein und kehrte mit ihm in sein Dorf zurück. Fortan trieb er Ewoltle um.

 

 

 

Ewoltle war nicht mehr er selber. Das merkten die anderen sehr schnell. Er wollte nicht mehr auf die Jagd gehen, nicht mehr Löcher in das Eis hacken. Ewoltle wollte seine Hütte nicht reparieren, nicht mehr Fische zum trocknen aufhängen. Auch die Frau, die er umworben hatte, wollte er nicht mehr sehen.

 

Ewoltle hatte nur noch einen Gedanken. Er packte seine Sachen zusammen, spannte seine Hunde vor den Schlitten und lud die Dinge, die er zum Überleben benötigte, auf diesen Schlitten. Die anderen umringten ihn und fragten ihn aus, was er denn vorhabe.

 

„Ich muß das Land der Mitte finden.“ antwortete Ewoltle auf die aufgeregten Fragen.

 

Anuk, die Frau die ihn erhört hatte, sagte: “Was willst du dort? Dort wartet nur der Tod auf Dich. Das wäre schade, denn Du bist der schönste Mann des Dorfes.“ Sie lächelte ihn an und wirklich, sein rundes, fröhliches Gesicht machte ihn zum schönsten Mann des Dorfes.

 

„Ich muß das Land der Mitte finden.“ antwortete Ewoltle wieder.

 

Suruk, der Älteste des Dorfes sagte: “Was willst Du dort? Dort wartet nur der Tod auf Dich. Das wäre schade, denn Du bist der beste Jäger des Dorfes.“ Er lächelte ihn an und wirklich, er war der beste Jäger des Dorfes.

 

„Ich muß das Land der Mitte finden.“ antwortete Ewoltle erneut.

 

Anusch, der beste Freund Ewoltles sagte: “Was willst du dort? Dort wartet nur der Tod auf Dich. Das wäre schade, denn Du bist mein bester Freund in diesem Dorf.“ Er lächelte ihn an und wirklich, er war der beste Freund, den er in diesem Dorf besaß.

 

All das war wahr und Ewoltles wußte das, aber wieder blies der Nordwind in ihm und trieb ihn fort.

 

Da sprach Sansche, die weise Frau des Dorfes. “Laßt ihn ziehen. Der Nordwind bläst in ihm. Er nimmt ihn mit sich fort, weil er nicht länger alleine sein will. Wenn der Wind in einem Menschen lebt, dann ist es so und niemand kann es ändern. Verabschiedet Euch von Ewoltle und vergeßt ihn, denn er sucht das Land der Mitte und dort wartet der Tod.“

 

Da lächelten die anderen nicht mehr und verabschiedeten sich mit Trauer im Herzen von Ewoltle, als wäre er bereits gestorben. Er stieg auf seinen Schlitten und jagte davon. Schnell wie der Wind, der ihn trieb.

 

Der Wind bereitete Ewoltle den Weg über das rauhe Land. Dann, als sie das offene Meer erreichten, trieb er ihm Eisschollen zu, auf denen er sicher und schnell seine Reise fortsetzen konnte, ohne es zu bemerken. Und während der ganzen Zeit, war Ewoltle nur von dem Verlangen getrieben, das Land der Mitte zu erreichen.

 

Endlich, nach vielen Wochen, erreichten sie das Land der Mitte. Ewoltle staunte sehr, als er dieses wunderschöne Land sah. Ein kleines Land, aber fruchtbar und liebreizend.

 

„Warum verweilst Du nicht in diesem schönen Tal? Warum reist Du über das kalte, öde Land des Winters?“ fragte Ewoltle seinen Begleiter.

 

„Einer muß es tun. Ich muß den Schnee vorwärts treiben und das Eis zu Dünen schlagen. Ich muß das Land des Winters mit meinem Atem überziehen. Muß das Lied der Traurigkeit singen. Wer sollte es sonst tun?“

 

„Und das Land in der Mitte?“

 

„Hierher darf ich zurückkehren, wenn ich meine Arbeit erledigt habe. Aber es ist so einsam.“

 

„Wie gerne würde ich mit Dir tauschen, nur, um hier meine Zeit verbringen zu dürfen. Es ist das Land von dem ich träumte, seit ich ein Kind war.“

 

„Deshalb fuhr ich in Dich hinein. Erzähl mir von der hübschen Frau mit dem platten Näschen und den Mandelaugen, davon, wie sie leise kichert, wenn Du sie am Ohr kitzelst. Erzähl mir von der Jagd, wenn Du das Eis durchbrichst, den Fährten folgst. Erzähl mir von dem jungen, der Dein Freund ist. Was redet Ihr?“

 

„Gerne will ich Dir all das erzählen, doch sag mir erst, warum.“

 

„Wir könnten doch tauschen. Du ziehst statt meiner über das Land des Winters und darfst dafür das Land der Mitte besitzen. Ich bekomme Deine Gestalt und kehre als Mann in Dein Dorf zurück. Als Ewoltle!“

 

 

 

Ewoltle kehrte in sein Dorf zurück. Er tauchte eines Tages hinter einer Schneedüne auf und verblüffte die Menschen seines Dorfes mit seiner Rückkehr. Die lange Reise hatte ihn verändert. Er war nun ganz bei ihnen. Nicht mehr abwesend und verträumt. Er redete niemals von dem Land der Mitte und genoß das Leben in ihrer Mitte. Ja, er hatte seine Mitte unter ihnen gefunden. Er freute sich, wenn Anuk kicherte, wenn er sie kitzelte. Er liebte es, den scharfen Wind in seinem Gesicht zu spüren, wenn er auf der Jagd war. Er erfreute sich der Gespräche mit seinem Freund Anusch. Er war zum ersten mal zufrieden.

 

Nur Sansche, die weise, alte Frau starrte ihn bisweilen fragend an. „Bist Du Ewoltle oder wer bist Du?“ Niemand beantwortete ihr diese Frage. Ewoltle lächelte nur, wenn er sie sah.

 

Nun, was glaubt ihr? Hat Ewoltle das Angebot des Windes angenommen und sein Leben einem anderen geschenkt, der mehr damit anzufangen wußte, oder war er sich plötzlich der Kostbarkeiten bewußt geworden, die er besessen hatte? Die Freundschaft, die Liebe, das Ansehen. Wer weiß es? Nur der Wind könnte es uns sagen. Der Wind des Nordens, der vor unserer Haustür umher streicht und einen Namen flüstert. Ich kann ihn nicht verstehen. Wenn ihr leise seid, könnt ihr es vielleicht ahnen. Doch gebt acht, daß er nicht den Euren ruft, denn dann seid ihr verloren, denn eurer Herz kennt keine Ruhe mehr, bis Ihr das Land der Mitte geschaut und das süße Wasser seiner Quellen gekostet habt.“

 

 

 

 

 

 

 

Hallo, ich heiße Claudine
Kleine Weihnachtsbastelei
Mit all den schönen Zutaten, die man bei "Kleines und Feines" Hauptstraße in Ensen finden kann, habe ich diese Puppe gestaltet.
Ich bin nicht perfekt, aber ich habe Persönlichkeit.

Advent, Advent ein Lichtlein brennt

DIE KLEINE FLAMME

 

von Kerstin Surra

 

 

Es war einmal eine kleine Flamme, die saß auf einem kalten Stein, in einer feuchten Höhle, tief unter der Erde.

Sie träumte davon, wie es gewesen war, als sie noch eine stolze Kerze hatte krönen dürfen.

Und während links und rechts von ihr, die eisigen Tropfen von der Decke troffen und sie zu ertränken suchten, da fühlte sie wieder die Freude, die erfüllt hatte, als sie in einem großen Meer von Kerzen geschwommen war.

Getragen von vorsichtigen Händen, die sie vor Wind und Wetter geschützt hatten. Sie vorsichtig umschlossen hatten. Auch die glänzenden Augen der Kinder und ihre vom Kerzenschein erfüllten Gesichter, sah sie vor sich und sie labte sich an diesen Träumen von einer schönen Vergangenheit.

 

Hier saß sie nun und wußte nicht einmal mehr, wie es gekommen war, daß sie hier alleine gegen das Verlöschen kämpfte. Was war sie doch für eine tapfere, kleine Flamme. Doch ach, das Herz wurde ihr doch schwer, wenn sie an die Dunkelheit rings herum dachte. Wie tief würde sie erst sein, wenn sie erstarb.

 

Doch was war das? Sie lauschte, hörte einen fernen Gesang. Bald kam er näher und ihr kleines rotes Herz machte einen winzigen Sprung und vermischte sich mit ihrer gelben Aura.

Da endlich sah sie die Kinder, in einer langen Prozession. Feierlich trugen sie die Kerzen in ihren kleinen, warmen Händen. Obenauf tanzten keck und munter die anderen Flammen. Da waren sie endlich bei ihr. Das kleinste der Kinder nahmen sie mit einer schönen, feinen Kerze auf. So schnell hüpfte sie auf den Docht, daß sie beinah verloschen wäre. Doch, welch Glück, das kleine Mädchen legte schützend die Hände über sie und bedeckte sie mit ihrem lieben Gesicht.

Dann beruhigte sich das Flämmchen wieder, wurde zu einer geraden, stolzen Flamme, die den Raum weithin erhellte.

Da zogen die Kinder weiter und unsere Flamme führte sie an. Wie wunderbar war ihr zumute, als sie nun ins Freie trat und  endlich, endlich wieder den Sternenhimmel über sich leuchten sah.

Wie glänzte und strahlte die Nacht! Wie warm der Schein der Kerzen!

Sie lächelte den Sternen zu. Wie gerne wäre sie einer von ihnen gewesen.

Da dies aber eine besondere Nacht war, wurde ihr Wunsch erfüllt. Aus jeder Kerze wurde ein Stern.

Und wenn Du heute in den Nachthimmel blickst, kannst du vielleicht die kleine Flamme sehen, denn sie ist der glänzenste Stern von allen.

 

Hurra! Die schönste Zeit des Jahres beginnt am Sonntag. Advent, Advent ein Lichtlein brennt. Was gibt es alles zu tun? Erst mal hinsetzen und eine Tasse Tee trinken und Streß vermeiden. Und veilleicht Schlittschuhlaufen gehen. In Köln auf dem Altermarkt zum Beispiel. Und jetzt eine kleine weihnachtlich angehauchte Geschichte angefüllt mit Zimt und Wetterleuchten.

Weihnachtzauber an der Copacabana von Kerstin Surra

Wie wir etwas da ließen.

Es war eine kalte Nacht, als wir an den Ufern der Copacabana durch den Schnee stapften. Nichts hatte diese Landschaft in diesem Moment mit der gleichnamigen Küste Rio de Janeiros gemein, außer der Vorstellung, die wir uns von ihr gemacht hatten. Aber hier in Bolivien war uns eher weihnachtlich zu Mute als danach, in den Bikini zu schlüpfen, um uns mit den Schönheiten unter dem Zuckerhut zu messen. Wir hätten im Vergleich mit ihnen wahrscheinlich so gut abgeschnitten, wie diese Küste des Titicacasees mit der Palmengesäumten Atlantikküste Rios.

Es war erst Tage her, dass wir auf der gefährlichsten Passstraße der Welt in die Yungas gefahren waren und nun konnten wir auf dem Hausberg der Stadt Copacabana, dem Cerro Calvario, dem Herrgott oder Pachamama oder sogar Kotakawana, dem Gott der Fruchtbarkeit, der im Titicacasee lebte, danken, dass wir die Reise überlebt hatten und nicht gleich anderen Fahrzeugen mitsamt der kostbaren Fracht an Mensch und Tier in die Tiefe gerauscht waren.

Neben uns waren zahllose Pilger durch den nieselnden Regen den steile Weg hinauf geächzt. Jeder  von ihnen verzichtete heute darauf, die nassen Stufen und Wege auf Knien hinauf zu gelangen, um den Pilgerweg auf gebührende Weise zu begehen. Auch so war der Weg schon steil genug und das Licht des Tages mischte sich langsam mit der Nacht und den Fackeln und Taschenlampen der Menschen, die in schlauer Voraussicht ein Lichtlein bei sich trugen und auch uns den Weg leuchteten. Es war ein besinnlicher Weg, nur untermalt von den murmelnden Gebeten der Pilger. Es wurde ganz still in uns und unter uns lag schwarz der Titicacasee wie ein Spiegel der Nacht.

Gerade als wir den Gipfel des  Cerro Calvario erreichten, versank die Sonne in einem aufsehenerregenden  Kleid aus schwarzem Samt begleitet von blitzendem Wetterleuchten. Eine reiche  Belohnung für die Anstrengungen des Aufstiegs. Wir schauten und staunten.  Hinter uns das große Kreuz, vor uns gingen die Himmel auf. Lange standen wir in der Dunkelheit und schauten die blitzenden Wolkengebilde über uns und die Sterne, die langsam aus dem Sonnenuntergang geschlüpft waren. Es lag etwas Heiliges über diesem Ort, egal, an welche Gottheit man glaubte oder auch nicht. Der Abstieg war halsbrecherisch, aber gelang und führte uns zurück in die schlafende Stadt.

Übermütig schlitterten wir auf den alten, glatten Pflastern der Straßen, auf unbeleuchteten Wegen und durch den fallenden Schnee zu einem kleinen Lokal, aus dem noch Licht schimmerte.

Wir waren nicht die einzigen Gäste und der Wirt mit weißer Schürze setzte uns an einen Tisch in dem großen, nicht zur Gänze beheizten Raum, in dem von Gemütlichkeit nichts zu spüren war. Doch Gemütlichkeit hat zuweilen nichts mit der Räumlichkeit zu tun, nichts mit dem Ort, manchmal kommt sie unverhofft. 

Bei einer heißen Suppe begannen wir zu tauen. Wir Freunde aus Köln erzählten unserem argentinischen Freund und unserem neu gewonnenen Freund aus Bolivien von unserer Mission „Rheinischen Frohsinns“, die uns in einer lange zurück liegenden „Stunksitzung“ im Kölner Karneval von dem genialischen Jürgen Becker erteilt worden war. Nicht höchstpersönlich, doch mit Nachdruck. Es ging damals um eine Bierbank im Weltraum oder so oder ähnlich, aber vor allen Dingen darum, den Geist des Karnevals in die Welt zu tragen. Auf allen Reisen hatten wir diese Mission im Auge behalten und unsere Pflicht mit viel Humor getan, auch wenn wir keine Rakete besaßen, um dem mehr Gewicht zu verleihen. Doch plötzlich vergaßen wir den Karneval und erzählten unseren amerikanischen Freunden lieber von unseren Weihnachtsbräuchen, hörten im Gegenzug von Grillfesten und anschließenden Partys in der Sommerhitze Argentiniens und der Festlichkeit der Weihnachtsmesse in der großen, alten, dunklen Kathedrale von La Paz. Wir schwelgten in Gänse und Klößchen- rezepten und Weihnachtsmarkt- Glückseligkeit.

Wo es draußen so schön schneite, fiel uns das nicht schwer. Nur eine Sache fehlte uns ganz plötzlich zu unserem Glück. Ein süßer, heißer Glühwein. Unser bolivianischer Freund hatte noch niemals davon gehört und auch der Wirt zuckte nur mit den Schultern. Ihre Neugierde aber war geweckt. Da orderten wir Wein, Orangensaft, Zucker  und versuchten auch ein paar Gewürze zu finden, die passten. Dann baten wir den Wirt uns alles zu erhitzen. Der machte ein gequältes Gesicht, weil er um seinen Wein fürchtete, der nicht wirklich viel zu verlieren hatte. Endlich stand der dampfende Topf inmitten mit freudiger Erwartung gefüllter Tassen auf unserem Tisch. Da kamen auch die anderen Gäste näher und schauten zweifelnd auf unser exotisches Tun. Der Wein reichte für alle, Kölner, Freunde, Gäste und Wirt. Bald schon sangen wir Weihnachtslieder und tranken süßen Wein. Es war nicht ganz wie zu Hause, aber anders und schön, denn der Dampf des Glühweins vermischte sich mit den Geschichten und Düften eines anderen Landes, eines anderen Lebens mit den Erinnerungen an die immer gleichen, liebgewonnenen Weihnachtsrituale. Und alle saßen zusammen um einen Tisch herum und spürten den Witz des heißen Weines, der uns langsam zu Kopfe stieg und uns lachen machte. Da war auch ein wenig Karneval darin, ganz unverkennbar. Vielleicht, sollten wir doch noch nach Rio fahren. Wegen des  Karnevals, nicht wegen der Bikinis.

Und draußen fiel der Schnee und verwischte unsere Spuren. Doch vielleicht trinkt man noch heute Glühwein an diesem Ort und lacht heimlich oder offen über die verrückten Europäer, die so seltsame Bräuche pflegen, wie das erhitzen von rotem Wein und das hemmungslose Hinzufügen von Zucker. Und wenn ich einen Glühwein trinke, einen echten, nicht ganz so süßen, dann denke ich an vieles, das ich damals hörte, sah und erlebte und an die Copacabana, - die in Bolivien, - die am Titicacasee.

ENDE

 

 

 

Adventbrot

Süßes Brot zum Adventkaffee

 

350 g Mehl, 250g Quark, 200 g Zucker, 50 g gem. Mandeln, 1P. Backpulver, 1 P. Vanillezucker,

8 EL Milch, 8 EL Öl, 1 Msp. Zimt, gem. Nelken und Kardamom,

Alle Zutaten miteinander zu einem glatten Teig verkneten, Teig zu einem Brotlaib formen und bei 180 Grad 30-35 Min. backen.

Tip für den 24.12: Krippenspiel in der Kinderchristmette besuchen. Eine Kirche ist auch in ihrer Nähe.
Der Eisprinz von K.Surra Ein frohes Nikoläuschen! Strümpfe aufhängen, Stiefel reinholen und mit den Lieben einen schönen Adventstee genießen. Und dann schneit es auch noch. Klasse.
Beschreibung

Zimt, Geschenkband und Waldspaziergang

Ich schaue jetzt mal in die Weihnachtskisten. Was fehlt, muss repariert werden oder ist zu ersetzen? Bei wem wird gefeiert, was muss ich einkaufen und wer wird beschenkt? 

Ich freue mich daraufmit meinen Kindern  zu basteln und zu backen. Ein Spaziergang im Schnee oder ein Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt mit Freunden. Die Vorfreude kann beginnen.

Ob es wieder Gänsebraten mit Thüringer Klösen gibt? Egal. Das Rezept findet ihr in den nächsten Tagen hier.

Viel Spaß in der Vorweihnachtszeit

 

Eure Kerstin Surra

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Neueste Kommentare

06.02 | 13:13

Liebe Frau Surra! Ihr Buch "Auf den Studen des Mondes" hat mich damals völlig verzaubert, nun habe ich über einen 2. Band erfahren! Wann wird dieser erscheinen?

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04.09 | 11:40

muchas gracias Kerstin Surra y Mika Fritze por sus comentarios, ahora estoy en Greiswald con mi hija y nietos , vuelvo a Buenos Aires en una semana, Abrazos!!!

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