Leseprobe aus dem Buch "Junibrücken"

LIKE A VIRGIN - KOPENHAGEN



Christine verbrachte die Nacht bei ihrer Freundin Mette in Dänemark. Den ganzen Tag waren sie durch das winterliche, milchiggraue Kopenhagen gelaufen und waren nun durchgefroren und müde. Doch da sie sich so selten sehen konnten, und sie doch so herzlich befreundet waren, mußten sie einfach die Stunden nutzen, die ihnen blieben. Sie wollten nur ein bisschen sitzen und reden. Ein Weinchen trinken. „Mach doch mal Madonna an.“
Wieso sie plötzlich in ihren kleinen Schwarzen und mit Lackschuhen da saßen, weiß ich nicht. Wahrscheinlich, weil ihnen danach war.

Die Musik dudelte, sie schwärmten von der Zeit, als sie diese Musik noch gelebt hatten.
Mette sprang  bei ihrem Lieblingslied auf und tanzte klackernd auf dem Holzboden. Christine lachte und dachte an den Nachbarn, der sich unter ihnen sicher schwarz ärgern würde.
„Ach, der macht sonst immer so laut Musik an, Hip hopp, den ganzen Tag der selbe Beat. Ärgert mich auch sonst, wo er kann. Blöder Kerl. Heute Nacht kann er mal den Klang meiner Tanzschuhe hören. Komm schon!“

Und sie tanzten nicht nur so laut sie konnten, sie grölten auch jeden Song mit und lachten weinseelig dazu. Ein spanischer Riff, die zwei wurden zu Flamencotänzern. Gerader Körper, ernste Gesichter, Klacker, Klacker. Dann wieder Pop. Stampf, stampf.
Die Oberkörper zuckten, die Füße wirbelten. Hände, Arme, der Kopf, überall erklang diese Musik. In den Sehnen, den Muskeln. Stille. Das Lied war zu ende. Bevor das neue begann, hörten sie das Klopfen zum ersten mal. Der Nachbar bearbeitete seine Decke mit einem Schrubber. Geil. Der nächste Song fing viel zu leise an. Nimm den nächsten, dreh ihn auf.
Wiegen, wiegen, in den Song hinein kriechen. Vergessen, was man all die Jahre über Pop gesagt hat. Wieso konnten sie alle Texte mitsingen? Peinlich! Wunderbar!

Christine schaute zu dem gegenüberliegenden Gebäude hin. „Schau mal, die Fenster sind alle Dunkel. Aber genau gegenüber flackert ein komisches Licht.“
Mette schaute, doch das Licht war verschwunden.
„Du mußt dich irren. Da wohnt ewig keiner. Nicht, solange ich hier wohne.“

Das Klopfen wurde lauter. Diesmal klopfte es an der Tür. Bumm, bumm.
Schafft die Anlage mehr? Gleich fliegt sie ihnen um die Ohren, aber noch nicht. Ein bisschen geht noch.

Das Schlagen an der Tür wird lauter. Paßt zum Rhythmus. Etwas Schweres wird gegen die Tür geschlagen. Der Spinnt ja!

„Mach mal Pause, ich brauch frische Luft.“ Christine öffnete das Fenster und sog die kalte Luft in die gefüllten Lungen ein. Noch vibrierte die Musik in ihnen und brachte die Luft in Schwingung.
„Hör mal, da ist doch Musik. Nein, nicht hier. Dreh mal aus, das kommt von da drüben.“
Mette lehnte sich neben Christine aus dem Fenster, die vielen Meter unter sich abmessend. Die leere Straße beobachtend, endlich zum Fenster gegenüber schauend.
„Hey, Du hast recht. Da winkt doch einer. Ich hör auch Musik. Du, da läuft ne´ Fete.“

Die Tür erbebte. „Was macht der Kerl bloß? Laß uns die Polizei rufen.“ „Ach, bis die da sind, sind wir Geschichte.“ Die Tür splitterte.
„Wahnsinn!“ „Komm, wir sind auf einer Fete eingeladen. Wir sollten die Gastgeber nicht warten lassen. Wo wir uns schon so fein gemacht haben?!“
Christine schaute verständnislos. Doch sie folgte Mettes Blick und lachte plötzlich laut auf.
„Du verrücktes Huhn.“ „Na, siehste, hat doch was Gutes, dass die gerade die Fassade renovieren. So können wir ganz leicht runter klettern.“ „In den Schuhen?“ „Aber nur in den Schuhen.“
Die Tür sprang mit einem lauten Krachen aus den Angeln. Die Beiden kreischten entzückt und erschrocken zugleich. Ehe der Nachbar seinen Kopf durch die Tür stecken konnte, schwangen sie sich schon aus dem Fenster. Rutschten auf den vereisten Bohlen des Gerüstes aus, hielten sich gegenseitig fest und klammeren sich an die eiskalten Eisenstreben. ...

Welche verrückten Dinge unsere Heldinnen in dieser Nacht noch erleben?  in "Like a Virgin" in "Junibrücken"nachlesen!

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